Die meisten Fehlkombinationen fallen nicht beim Bestellen auf, sondern bei der Inbetriebnahme. Der Wechselrichter findet den Zähler nicht, der Speicher meldet sich nicht, die Wallbox lädt nur mit Netzstrom. Dann steht der Installateur vor Ort, und das fehlende Teil ist eine Woche entfernt. Die folgenden zehn Fälle stammen aus unseren eigenen Planungen und aus der Auswertung von Herstellerlisten für diese Schulungsreihe. Zu jedem Fall nennen wir, woran Sie ihn vorher erkennen.
Zähler: eine Endung, zwei Geräte
1. Huawei DTSU666-FE statt DTSU666-H
Bei Huawei tragen zwei Zähler fast denselben Namen. Der Huawei DTSU666-H ist der Zähler für die SUN2000-Wechselrichter, bei den Reihen MAP0 und MB0 angeschlossen an RS485. Der DTSU666-FE ist ein Zähler mit Ethernet, den Huawei im Handbuch der Smart Charger nennt, also für die Wallbox. Am Wechselrichter ersetzt er den -H nicht. In Händlerlisten stehen beide oft direkt untereinander.
Was dann passiert: Der Wechselrichter zeigt keinen Netzbezug, die Eigenverbrauchsregelung und eine Einspeisebegrenzung arbeiten nicht.
2. Fronius Smart Meter an einem Symo light
Der Fronius Smart Meter TS 65A-3 arbeitet laut Anleitung mit den GEN24-Geräten und mit SnapINvertern, die einen Datamanager 2.0 haben. Die Light-Versionen des Symo haben keinen eingebauten Datamanager. Ohne Nachrüstung bleibt der Zähler stumm. Mehr dazu im Artikel Smartmeter für Wechselrichter.
Speicher: was nicht auf der Liste steht
3. Huawei LUNA2000 ohne Leistungsmodul
Die Batteriemodule LUNA2000-5-E1 arbeiten nicht allein. Jeder Turm braucht laut Huawei-Datenblatt ein Leistungsmodul LUNA2000-10KW-C1, und das wird getrennt bestellt. Wer nur Wechselrichter und Batteriemodule auf der Stückliste hat, kann den Speicher nicht in Betrieb nehmen.
4. Sigen Hybrid an SigenStor ohne Batterie-Controller
Ähnlich bei Sigenergy. Wird ein Sigen Hybrid SP2 oder TP2 mit SigenStor-Batteriemodulen verbunden, ist laut Herstellerangabe die SigenStor BC Pflicht. Diese Bedingung geht leicht verloren, wenn ein Angebot von einem System aufs andere umgebaut wird.
5. Deye Max-Speicher an der falschen Liste
Die Deye-Liste DY-LV48-0127 gibt für die dreiphasigen Niedervolt-Hybride SE-G5.1 Pro-B, SE-F5 Pro, SE-F12 und SE-F16 frei, jeweils in der Ausführung -C. Die Max-Ausführungen von SE-F12 und SE-F16 stehen dort nicht. Gleiche Kapazität, ähnliche Bezeichnung, aber keine Freigabe. Wie man solche Listen liest, steht im Artikel Welcher Speicher passt zu welchem Wechselrichter?.
6. FoxESS CS2900: Version 1 und 2 gemischt
Bei Erweiterungen bestehender Speicher kommt ein Fall häufiger vor, als man denkt. Ein Kunde hat einen FoxESS Energy Cube und möchte ein Modul CS2900 nachkaufen. FoxESS sagt dazu laut eigenem Community-Forum: Module der Version 1 laufen nur an einem Steuermodul der Version 1, Module der Version 2 nur an Version 2. Von außen sieht man den Unterschied nicht. Erkennbar ist er am Präfix der Seriennummer des Steuermoduls. Bevor ein Erweiterungsmodul bestellt wird, brauchen wir deshalb ein Foto des Typenschilds.
7. Ein Spannungsetikett, das nicht stimmt
Beim GoodWe Lynx D stand in einem unserer Produktfelder „Niedervolt“. Das Herstellerdatenblatt nennt 380 Volt Nennspannung. Der Lynx D ist ein Hochvoltspeicher und gehört an einen Hochvolt-Wechselrichter. Wer nach dem Etikett filtert, landet beim falschen Gerät. Warum die Spannungsklasse vom Wechselrichter vorgegeben wird, erklärt der Artikel Hochvolt oder Niedervolt.
Modul und Wechselrichter: ein Ampere zu viel
8. Modul mit hohem Strom am SMA Sunny Tripower Smart Energy
Moderne Module mit großen Zellen liefern viel Strom. Das Gokin GK-3-54HGFDB-495M hat knapp 14 Ampere MPP-Strom. Der SMA Sunny Tripower 10.0 Smart Energy nutzt laut Datenblatt höchstens 12,5 Ampere je Tracker. Der Wechselrichter begrenzt dann den Strom, ein Teil des Ertrags geht verloren. Unser Prüfwerkzeug lässt diese Kombination nicht durch. Am Deye SUN-10K mit 26 Ampere je Tracker passt dasselbe Modul ohne Einschränkung.
9. Dasselbe Modul am SolarEdge-Optimierer S500
Der SolarEdge S500 erlaubt 15 Ampere Eingangsstrom. Das Gokin-Modul hat 15,08 Ampere Kurzschlussstrom. Der Unterschied ist klein, aber er liegt auf der falschen Seite der Grenze. Formal passt die Kombination nicht. Der Tigo TS4-A-O mit 22 Ampere nimmt das Modul ohne Weiteres. Die Einzelheiten stehen im Artikel Optimierer und Wechselrichter.
10. Fronius Wattpilot an einem Symo light
Der Wattpilot regelt laut Fronius-Bedienungsanleitung mit GEN24, Tauro, Verto, Symo Hybrid und den SnapINvertern den PV-Überschuss. Die Light-Versionen sind ausdrücklich ausgenommen. Mit einem Symo light lädt der Wattpilot also, aber nicht nach Überschuss. Wer genau dafür eine Wallbox kauft, merkt es erst an der Stromrechnung.
Wie Sie Fehlkombinationen vorher erkennen
Aus den zehn Fällen lassen sich vier Prüfungen ableiten, die wir vor jeder Bestellung machen.
Erstens: Die vollständige Typbezeichnung vergleichen, mit Endung. DTSU666-H und DTSU666-FE, SE-F12-C und SE-F12 Max, Kabelsatz -01 und -02 beim SolarEdge Home Hub. Die Endung entscheidet.
Zweitens: Die Freigabeliste des Wechselrichterherstellers lesen, nicht die Werbung des Speicherherstellers. Steht ein Gerät nicht auf der Liste, gilt es als nicht freigegeben.
Drittens: Die Stückliste nach Systemteilen durchsehen, die nicht im Karton liegen. Leistungsmodule, Batterie-Controller, Zähler, Kabelsätze, Datamanager.
Viertens: Strom und Spannung rechnen, auch wenn die Leistung passt. Ein Modul mit 495 Watt kann an einem Wechselrichter mit genug Leistung trotzdem zu viel Strom liefern. Die Rechnung zeigt der Artikel Leerlaufspannung bei Kälte.
Aus der Praxis: drei Module, die nicht anliefen
Ein Kunde in Deutschland wollte 19 Module: 16 auf zwei Gauben, 3 auf dem Hauptdach mit anderer Ausrichtung, dazu einen Sigenergy-Speicher. Die drei Module als eigener Strang hätten bei 70 Grad Zelltemperatur 95,8 Volt MPP-Spannung geliefert. Der Energy Controller beginnt erst bei 160 Volt. Auf dem Papier sah die Aufteilung ordentlich aus, am Dach wäre der dritte Strang nie angelaufen. Gelöst haben wir es mit Optimierern auf den Problemmodulen. Der Fall zeigt, warum wir jede Strangaufteilung rechnen, bevor ein Angebot hinausgeht.
Speicher mit Freigabe für Ihren Wechselrichter finden Sie unter Speichersysteme und auf der Seite Kompatibilität.
Häufige Fragen
Was passiert, wenn ein Speicher nicht auf der Freigabeliste steht?
Im besten Fall erkennt der Wechselrichter ihn nicht und die Anlage läuft ohne Speicher. Im schlechteren Fall läuft er mit falschen Ladegrenzen. Eine Kombination ohne Freigabe bieten wir deshalb nicht an.
Kann ich einen falschen Zähler einfach umprogrammieren?
Bei baugleich aussehenden Zählern mit anderer Firmware meist nicht. Der Wechselrichter erwartet bestimmte Register an bestimmten Adressen. Sicher ist nur der Zähler, den der Hersteller für dieses Gerät nennt.
Woran erkenne ich bei einer Erweiterung, welche Version mein Speicher hat?
Am Typenschild und an der Seriennummer des Steuer- oder Leistungsmoduls. Schicken Sie uns ein Foto davon, bevor Sie ein Erweiterungsmodul bestellen.