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Hochvolt oder Niedervolt: was der Wechselrichter vom Speicher verlangt

Hochvolt oder Niedervolt – diese Frage stellt sich bei einem Batteriespeicher eigentlich nicht. Die Antwort gibt der Wechselrichter vor. Ein Hybrid-Wechselrichter hat einen Batterieeingang für einen bestimmten Spannungsbereich, und nur Batterien in diesem Bereich lassen sich anschließen. Wer zuerst den Speicher aussucht und dann einen Wechselrichter dazu, plant von der falschen Seite. Dieser Artikel erklärt die beiden Klassen, ihre Folgen für Strom, Kabel und Erweiterung und zeigt, wo Sie die Angabe im Datenblatt finden.

Was „Niedervolt“ bei Heimspeichern bedeutet

Niedervoltspeicher arbeiten im Bereich um 48 Volt. Die meisten Lithium-Eisenphosphat-Batterien dieser Klasse haben eine Nennspannung von 51,2 Volt. Der Deye Batteriespeicher 11,8 kWh (SE-F12-C) ist so ein Gerät, ebenso der Dyness PowerBrick Plus.

Auf der Wechselrichterseite sieht man das am Batterieeingang. Der Deye Hybrid-Wechselrichter 12 kW (SUN-12K-SG05LP3-EU-SM2) nennt im Datenblatt 48 Volt Nennspannung und einen Batteriespannungsbereich von 40 bis 60 Volt. Auch die SolarEdge Home Battery 48V gehört in diese Klasse. Ihr Betriebsbereich liegt laut Datenblatt bei 44,8 bis 56,5 Volt. ## Was „Hochvolt“ bedeutet

Hochvoltspeicher schalten mehrere Module in Reihe und erreichen so einige hundert Volt. Ein Modul der BYD Battery-Box HVS hat 102,4 Volt Nennspannung. Zwei bis fünf Module bilden einen Turm, das ergibt 204,8 bis 512 Volt. Beim Dyness HV96402 sind es 96 Volt je Modul und 2 bis 6 Module, also 192 bis 576 Volt. Der GoodWe Lynx D arbeitet laut Datenblatt mit 380 Volt Nennspannung.

Weil die Spannung von der Modulanzahl abhängt, schreiben die Freigabelisten bei Hochvolt fast immer eine Mindest- und Höchstzahl an Modulen vor. Unterhalb der Mindestzahl reicht die Spannung für den Batterieeingang nicht.

Hochvolt-Wechselrichter in unserem Sortiment sind etwa die Fronius GEN24 Plus, die GoodWe ET-Serie, die Huawei SUN2000-MAP0 und die Deye SG01HP3.

Hochvolt oder Niedervolt: was sich praktisch unterscheidet

Strom und Kabelquerschnitt

Leistung ist Spannung mal Strom. Um 10 Kilowatt aus einer Batterie mit 51,2 Volt zu ziehen, fließen rund 195 Ampere. Bei 400 Volt sind es 25 Ampere. Der Niedervoltspeicher braucht deshalb dicke Batteriekabel, solide Klemmen und kurze Wege. Beim Hochvoltspeicher sind die Ströme klein, dafür liegt eine Gleichspannung an, bei der Berührungsschutz und Freischalten besonders ernst zu nehmen sind.

Leistung je Batterie

Ein Niedervoltspeicher stößt eher an Stromgrenzen. Dyness gibt für den PowerBrick Plus höchstens 200 Ampere Lade- und Entladestrom je Einheit an. Bei 51,2 Volt sind das rund 10,2 Kilowatt. Für die volle Leistung eines großen Deye-Niedervoltwechselrichters schaltet man laut Hersteller deshalb mehrere Einheiten parallel, bis zu 50 Stück.

Erweitern

Niedervoltspeicher wachsen durch Parallelschaltung. Die Spannung bleibt gleich, die Kapazität steigt. Hochvoltspeicher wachsen durch weitere Module im Turm, bis zur freigegebenen Höchstzahl, und danach gegebenenfalls durch einen zweiten Turm. Dabei gilt bei vielen Herstellern: gleiche Modulanzahl in allen Türmen. Fronius schreibt das für Reserva und BYD am GEN24 ausdrücklich vor.

Batteriemanagement

Bei manchen Hochvoltspeichern sitzt das Batteriemanagement nicht im Modul, sondern in einer eigenen Steuereinheit. Die BYD HVS-Module etwa laufen nur mit der BYD BCU und Base. Bei Huawei braucht jeder LUNA2000-Turm ein Leistungsmodul. Solche Teile gehören in jede Stückliste.

Die richtige Reihenfolge bei der Planung

Zuerst steht der Wechselrichter fest: nach Leistung, Phasen, Zahl der MPP-Tracker und danach, ob Notstrom gebraucht wird. Erst dann folgt der Speicher, und zwar aus der Freigabeliste genau dieses Geräts. Die Spannungsklasse ergibt sich dabei von selbst.

Ein Beispiel: Ein Kunde wünscht sich einen Fronius-Wechselrichter, weil sein Installateur damit Erfahrung hat. Damit ist Hochvolt gesetzt, und zur Wahl stehen BYD Battery-Box Premium und Fronius Reserva. Ein günstiger 48-Volt-Speicher aus einem anderen Angebot scheidet aus, so attraktiv er auf dem Papier aussieht. Umgekehrt gilt: Wer schon einen Niedervoltspeicher besitzt und ihn weiter nutzen will, sucht einen Niedervolt-Wechselrichter, auf dessen Liste genau dieser Speicher steht.

So erkennen Sie die Klasse im Datenblatt

Suchen Sie beim Wechselrichter den Abschnitt „Batterie“ oder „Battery Input“. Dort stehen Batterietyp, Nennspannung und Spannungsbereich. Ein Bereich von etwa 40 bis 60 Volt bedeutet Niedervolt. Werte im Bereich von mehreren hundert Volt bedeuten Hochvolt.

Beim Speicher steht die Nennspannung meist direkt im Kopf des Datenblatts. Vorsicht bei Gesamtsystemen: Manche Hersteller geben die Spannung je Modul an, manche für den ganzen Turm. Rechnen Sie im Zweifel die Modulspannung mal Modulanzahl.

Ein Blick in die Typbezeichnung hilft bei manchen Marken. Bei Deye tragen die Niedervoltmodelle in unserem Sortiment „LP3“ im Namen, die Hochvoltmodelle „HP3“. Verlassen Sie sich darauf aber nicht ohne Datenblatt.

Aus der Praxis: Wenn Datenblätter sich widersprechen

Unsere Produktdaten führen die Spannungsklasse in mehreren Feldern, teils aus Lieferantenlisten, teils aus Herstellerdatenblättern. Beim Schreiben dieses Artikels fiel uns ein Widerspruch auf: Beim GoodWe Lynx D stand in einem Feld „Niedervolt“, das Datenblatt nennt 380 Volt Nennspannung. Die 380 Volt stimmen, der Lynx D ist ein Hochvoltspeicher. Für Sie heißt das: Ein Etikett in einer Tabelle ist kein Beleg. Entscheidend ist die Nennspannung im Herstellerdatenblatt.

Den passenden Speicher zu Ihrem Wechselrichter finden Sie auf unserer Seite Kompatibilität. Die Grundlagen zu Freigabelisten erklärt der Artikel Welcher Speicher passt zu welchem Wechselrichter?, einen Herstellervergleich finden Sie unter Kompatible Batterien.

Häufige Fragen

Kann ich einen Niedervoltspeicher an einen Hochvolt-Wechselrichter anschließen?

Nein. Der Batterieeingang eines Hochvolt-Wechselrichters erwartet mehrere hundert Volt. Ein 51,2-Volt-Speicher liegt weit darunter und wird nicht erkannt. Dyness schreibt etwa für den PowerBrick Plus ausdrücklich: nicht für Hochvolt-Wechselrichter.

Ist Hochvolt grundsätzlich besser als Niedervolt?

Nicht grundsätzlich. Hochvolt hat kleinere Ströme und dünnere Kabel, Niedervolt lässt sich einfach parallel erweitern. Welche Klasse es wird, entscheidet der Wechselrichter, den Sie für Ihre Anlage wählen.

Woran erkenne ich, wie viele Hochvoltmodule ich mindestens brauche?

An der Freigabeliste. Dort steht für jede Kombination eine Mindest- und Höchstzahl an Modulen, beim Fronius Symo GEN24 Plus mit BYD HVS zum Beispiel 2 bis 5.