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Gewerbespeicher: Lastprofil lesen, Spitzenlast kappen

Ein Gewerbespeicher wird anders ausgelegt als ein Heimspeicher. Im Einfamilienhaus reicht der Jahresverbrauch für eine erste Schätzung, der Rest ist Erfahrung. Im Betrieb sagt die Jahreszahl wenig. Ob eine Tischlerei 120.000 kWh im Jahr gleichmäßig verbraucht oder in kurzen Spitzen, ändert die Auslegung grundlegend. Dieser Artikel zeigt, welche Daten Sie brauchen, wie Spitzenlastkappung funktioniert und worauf es bei der Auswahl des Speichers ankommt.

Das Lastprofil zuerst

Ein Lastprofil zeigt, wie viel Leistung ein Betrieb zu jeder Viertelstunde bezieht. Viele Netzbetreiber stellen diese Werte im Kundenportal bereit, wenn ein Smart Meter eingebaut und die Viertelstundenmessung aktiv ist. Bei größeren Betrieben mit Lastprofilzähler liegen sie ohnehin vor. Fordern Sie mindestens ein ganzes Jahr an. Ein einzelner Monat zeigt weder den Winter noch die Betriebsferien.

Drei Dinge lesen Sie aus dem Profil ab:

  • die Grundlast in der Nacht und am Wochenende: Kühlung, Server, Lüftung,
  • den Tagesgang in der Arbeitszeit: Wann läuft was, und wie gut passt das zur Sonne?
  • die Spitzen: kurze Viertelstunden, in denen Maschinen anlaufen oder mehrere große Verbraucher gleichzeitig arbeiten.

Für die PV-Anlage ist der Tagesgang entscheidend. Ein Betrieb, der von 7 bis 17 Uhr arbeitet, verbraucht viel Solarstrom direkt, oft ohne jeden Speicher. Für den Speicher sind die Spitzen und der Abend interessant.

Was Spitzenlast kostet

Viele Gewerbekunden zahlen beim Netzentgelt nicht nur für die bezogenen Kilowattstunden, sondern auch für die höchste gemessene Leistung im Abrechnungszeitraum. Wie das in Ihrem Fall gerechnet wird, steht auf der Netzrechnung, meist als Leistungspreis oder Leistungskomponente. Eine einzige Viertelstunde mit hoher Last kann dann den Preis für den ganzen Monat oder das ganze Jahr bestimmen. Genau hier setzt die Spitzenlastkappung an: Der Speicher springt ein, sobald der Bezug eine eingestellte Grenze überschreitet, und hält den Netzbezug darunter.

Rechenbeispiel: Spitzenlastkappung mit dem Gewerbespeicher

Wir nehmen einen angenommenen Werkstatttag an, keine echten Messwerte. Nachts laufen 12 kW Grundlast, tagsüber 35 kW. Morgens zwischen 7:00 und 7:45 Uhr laufen Kompressor, Absaugung und Maschinen an, der Bezug steigt auf 85 kW. Mittags zwischen 12:00 und 12:30 Uhr gibt es eine zweite Spitze mit 70 kW. Über den Tag sind das 573 kWh.

Der Speicher soll den Netzbezug begrenzen. Mit 95 Prozent Wirkungsgrad ergibt sich:

  • Grenze 60 kW: Der Speicher muss bis zu 25 kW liefern und über den Tag 25 kWh abgeben.
  • Grenze 50 kW: bis zu 35 kW Leistung, 38,2 kWh.
  • Grenze 40 kW: bis zu 45 kW Leistung, 51,3 kWh.

In allen drei Fällen liegt der Bezug nur in fünf Viertelstunden über der Grenze. Zwischen den Spitzen kann der Speicher wieder laden, aus PV oder aus dem Netz unterhalb der Grenze. Die Zahlen zeigen, worauf es ankommt: Schon ein Speicher mit 50 bis 60 kWh nutzbarer Kapazität deckt diesen Tag, wenn er die nötige Leistung abgeben kann. Wie tief man die Grenze sinnvoll legt, hängt davon ab, was ein eingespartes Kilowatt Leistung bei Ihrem Netzbetreiber wert ist. Das rechnen wir im Einzelfall mit den echten Daten.

Leistung und Kapazität getrennt betrachten

Bei Gewerbespeichern stehen zwei Zahlen im Datenblatt, die man nicht verwechseln darf: die nutzbare Kapazität in kWh und die Lade- und Entladeleistung in kW. Das Verhältnis beider heißt C-Rate. Zwei Beispiele aus unserem Sortiment:

Der GoodWe GW112.6-BAT-AC-G102 hat laut Produktdaten 110 kWh nutzbar und gibt bis zu 123,9 kW ab. Das entspricht einer C-Rate von 1,13. Bei voller Leistung ist er in rund 53 Minuten leer. Das passt zu kurzen, hohen Spitzen.

Der Deye GE-F256 hat 257,23 kWh nutzbar und gibt bis zu 129 kW ab, eine C-Rate von 0,5. Er hält die volle Leistung etwa zwei Stunden. Das passt besser, wenn lange Abendlasten oder Schichtbetrieb zu versorgen sind.

Für reine Spitzenlastkappung ist also oft der kleinere, leistungsstärkere Speicher die bessere Wahl. Für hohen Eigenverbrauch am Abend zählt die Kapazität. Viele Betriebe brauchen beides, und dann entscheidet das Lastprofil, welche Zahl die Größe bestimmt.

Systemfragen bei Gewerbeanlagen

Im Gewerbe sind Speicher, Wechselrichter und Steuerung häufig getrennte Geräte. Das bringt Freiheit, aber auch Abstimmungsarbeit:

Messung. Für Spitzenlastkappung muss die Steuerung den Bezug am Netzanschlusspunkt kennen, in Echtzeit. Ein Zähler an der falschen Stelle misst nur einen Teil des Betriebs.

Notstrom. Auch Gewerbespeicher liefern bei Netzausfall nicht automatisch Strom. Beim Sigenergy Gewerbespeicher 252 kWh (SigenStack) steht in den Produktdaten, dass Backup nur mit passender Gateway-, Controller- und Batterie-Auslegung möglich ist. Dafür gibt es eigene Gateways, etwa das Sigenergy Gateway C&I 120 kW. Die Unterschiede zwischen Notstrom und Ersatzstrom erklärt der Artikel Notstrom, Ersatzstrom, Inselbetrieb.

Aufstellung. Gewerbespeicher in Schrank- oder Containerbauweise sind schwer und groß. Sie brauchen tragfähigen Boden oder ein Fundament, und der Brandschutz richtet sich nach den Vorgaben der Behörde und des Versicherers. Klären Sie den Standort vor der Bestellung.

Aus der Praxis: kein Paket für Gewerbe

Als wir unsere Komplettpakete aufgebaut haben, lag es nahe, den SigenStack einfach als weiteres Paket anzubieten. Wir haben uns dagegen entschieden und Gewerbespeicher in eine eigene Kategorie gelegt. Der Grund ist das Rechenbeispiel oben: Ohne Lastprofil lässt sich nicht sagen, ob 110 kWh mit hoher Leistung oder 257 kWh mit halber Leistung die richtige Wahl sind. Und beim SigenStack gehört für Notstrom ein Gateway dazu, das in keinem fertigen Paket stecken kann, weil seine Größe vom Hausanschluss abhängt. Die Auswahl finden Sie unter Gewerbespeicher, die Auslegung machen wir mit Ihnen gemeinsam.

Häufige Fragen

Wie groß muss ein Gewerbespeicher sein?

Das ergibt sich aus dem Lastprofil. Für Spitzenlastkappung zählt vor allem die Entladeleistung, für Eigenverbrauch am Abend die nutzbare Kapazität. Ein Jahresverbrauch allein reicht für die Auslegung nicht.

Was ist Spitzenlastkappung?

Der Speicher gibt Strom ab, sobald der Netzbezug eine eingestellte Grenze überschreitet. So bleibt die höchste gemessene Leistung niedriger, und damit oft auch der leistungsabhängige Teil des Netzentgelts.

Woher bekomme ich mein Lastprofil?

Vom Netzbetreiber, meist im Kundenportal als Viertelstundenwerte, wenn ein Smart Meter mit aktivierter Viertelstundenmessung oder ein Lastprofilzähler eingebaut ist. Am besten ein ganzes Jahr.