Notstrom ist eine der häufigsten Fragen, wenn jemand einen Speicher kauft. Die Erwartung ist meist einfach: Fällt das Netz aus, läuft im Haus alles weiter. Ob das stimmt, hängt vom Wechselrichter ab, von einem eventuell nötigen Zusatzgerät und davon, wie der Elektriker die Stromkreise verdrahtet. Dazu kommen drei Begriffe, die Hersteller und Händler nicht einheitlich verwenden: Notstrom, Ersatzstrom und Inselbetrieb. Wir sortieren sie hier nicht nach Wörtern, sondern nach drei Fragen, die Sie zu jeder Anlage stellen können.
Drei Fragen statt drei Begriffe
Was wird versorgt? Eine einzelne Steckdose, ausgewählte Stromkreise oder das ganze Haus.
Wie schnell wird umgeschaltet? Ohne spürbare Unterbrechung, in Millisekunden oder erst nach einigen Sekunden.
Was braucht es dazu? Reicht der Wechselrichter allein, oder ist ein eigenes Gerät nötig, das das Haus vom Netz trennt?
Mit diesen drei Antworten wissen Sie mehr als mit jedem Etikett. Trotzdem lohnt ein kurzer Blick auf die Begriffe, weil sie in Datenblättern und Angeboten auftauchen.
Notstrom, Ersatzstrom, Inselbetrieb: was gemeint ist
Notstrom wird im Alltag als Oberbegriff benutzt: Bei Netzausfall liefert die Anlage weiter Strom. Manche Hersteller meinen damit nur eine Notstromsteckdose oder einen kleinen Ausgang mit begrenzter Leistung.
Ersatzstrom meint in der Regel, dass das Hausnetz oder ein Teil davon im Netzausfall vom Speicher und von der PV-Anlage gespeist wird. Dafür muss das Haus vom öffentlichen Netz getrennt werden. Sonst würde die Anlage Spannung in eine Leitung schicken, an der vielleicht gerade jemand arbeitet.
Inselbetrieb beschreibt diesen getrennten Zustand: Das Hausnetz läuft als eigene kleine Insel. Eine Notstromanlage geht also für die Dauer des Ausfalls in den Inselbetrieb und kehrt danach ans Netz zurück. Davon zu unterscheiden ist eine Inselanlage, die nie ans Netz angeschlossen ist, etwa auf einer Almhütte. Um solche Anlagen geht es hier nicht.
Drei Bauarten in unserem Sortiment
Backup-Ausgang im Wechselrichter: Deye
Die Deye-Hybridwechselrichter der Reihe SG05LP3 haben einen eigenen Backup-Ausgang, bei Deye mit LOAD beschriftet. Er ist dreiphasig. Was an diesem Ausgang hängt, wird bei Netzausfall aus Speicher und PV weiter versorgt, ohne Zusatzgerät. Für den SUN-10K-SG05LP3 steht in unseren Produktdaten eine Backup-Leistung von 10 kW. Im Deye Komplettpaket ist das so enthalten.
Der Haken liegt in der Verdrahtung. Nur die Stromkreise am Backup-Ausgang laufen weiter, der Rest des Hauses ist dunkel. Welche das sind, legt der Elektriker bei der Installation fest. Kühlschrank, Licht, Heizungssteuerung und Router sind die üblichen Kandidaten. Herd, Sauna und Wallbox gehören selten dazu, weil sie den Ausgang schnell überlasten.
Zwei Stufen: Fronius PV Point und Full Backup
Der Fronius Symo GEN24 Plus bietet zwei Wege. PV Point ist eingebaut und versorgt ausgewählte Verbraucher mit etwa 3 kVA. Die Umschaltung dauert laut Fronius rund 15 Sekunden. Das reicht für Kühlschrank und Licht, aber nicht für das ganze Haus.
Full Backup versorgt das ganze Haus und schaltet in etwa 10 Sekunden um. Dafür braucht es zusätzlich den Fronius Backup Controller 35A. Im Fronius Komplettpaket ist er nicht enthalten. Wer Full Backup will, muss ihn mitbestellen und im Zählerschrank Platz einplanen.
Gateway für das ganze Haus: Sigenergy
Bei Sigenergy gibt es ohne Zusatzgerät keinen Ersatzstrom. Das Sigenergy Gateway HomePro TP sitzt zwischen Netz und Hausverteilung. Fällt das Netz aus, trennt es das Haus ab und schaltet dreiphasig auf Speicherbetrieb um. Sigenergy gibt dafür 0 ms an, also keine Unterbrechung auf der Lastseite. Voraussetzung ist das Zusammenspiel aus Gateway, Sigen Energy Controller und Sigen-Batterie. Laut Installationsanleitung des einphasigen Schwestermodells HomePro SP enthält das Gateway Netzschütz, Bypass-Schalter und Überspannungsschutz und kann einen Generator einbinden.
Warum die Umschaltzeit zählt
Ob eine Umschaltung 0 Millisekunden oder 15 Sekunden dauert, merken Sie an empfindlichen Geräten. Bei einer Unterbrechung von mehreren Sekunden starten Computer, Router und viele Heizungsregler neu. Bei einer Wärmepumpe kann das bedeuten, dass sie nach dem Neustart eine Sperrzeit abwartet, bevor sie wieder heizt. Ein Kühlschrank verzeiht dagegen auch eine längere Pause.
Wer im Homeoffice arbeitet oder ein Aquarium, eine Heizungspumpe oder medizinische Geräte betreibt, sollte deshalb nicht nur fragen, ob es Notstrom gibt, sondern wie schnell er kommt. Eine Umschaltzeit unter 10 ms, wie sie GoodWe für den ET G2 im Datenblatt nennt, überbrückt die meisten Geräte unbemerkt. Eine Umschaltzeit von 10 bis 15 Sekunden ist ein kurzer Stromausfall mit garantiertem Ende.
Notstrom auslegen: Leistung und Kapazität
Zwei Zahlen begrenzen jede Notstromversorgung. Die Leistung des Backup-Ausgangs sagt, wie viel gleichzeitig laufen darf. Die Kapazität des Speichers sagt, wie lange. Ein Speicher, der am Abend schon halb leer ist, hält in der Nacht nur noch halb so lange durch. Manche Anlagen behalten deshalb eine Reserve im Speicher, die im Normalbetrieb nicht entladen wird. Wie viel kWh Sie ohnehin brauchen, steht im Artikel Speicher dimensionieren.
Rechnen Sie die Leistung der Geräte zusammen, die gleichzeitig laufen sollen, und achten Sie auf Anlaufströme. Pumpen und Kompressoren ziehen beim Einschalten ein Vielfaches ihrer Nennleistung. Bei einem dreiphasigen Ausgang gilt die Grenze außerdem oft je Phase. Ein einphasiger Backofen kann eine Phase überlasten, obwohl die Gesamtleistung reicht.
Aus der Praxis: fünf von elf Paketen
Als wir unsere Komplettpakete mit dem Abzeichen „Notstrom“ kennzeichnen wollten, haben wir jedes Paket gegen Datenblatt und Herstellerangaben geprüft. Von elf Paketen und Sets ließ sich die Notstromfähigkeit nur bei fünf belegen. Beim Huawei-Paket fehlt die nötige Box SmartGuard im Set. Bei den Sigenergy-Sets mit Hybrid-Wechselrichter TP2 nennt der Hersteller Backup nur „mit passender Gateway-Auslegung“, ein Gateway liegt aber nicht bei. Beide Pakete tragen deshalb kein Abzeichen, obwohl die Wechselrichter technisch Backup können.
Die Lehre: „notstromfähig“ im Datenblatt des Wechselrichters heißt noch nicht, dass ein Paket bei Netzausfall Strom liefert. Prüfen Sie, ob das nötige Zusatzgerät dabei ist und ob es für genau diesen Wechselrichter freigegeben ist. Die belegten Pakete finden Sie in der Kollektion Pakete mit Notstrom.
Häufige Fragen
Läuft bei Notstrom das ganze Haus weiter?
Nur wenn die Anlage dafür gebaut ist, etwa mit dem Fronius Backup Controller oder dem Sigenergy Gateway. Bei einem Backup-Ausgang wie bei Deye laufen nur die Stromkreise, die der Elektriker dort angeschlossen hat.
Wie schnell schaltet eine PV-Anlage bei Netzausfall um?
Das reicht laut Herstellern von 0 ms beim Sigenergy Gateway über unter 10 ms beim GoodWe ET G2 bis zu etwa 10 bis 15 Sekunden bei Fronius. Bei mehreren Sekunden starten Computer und Heizungsregler neu.
Brauche ich für Notstrom einen Speicher?
Bei allen Paketen in unserer Notstrom-Kollektion gehört er dazu. Der Speicher liefert den Strom, wenn die Sonne nicht scheint, und fängt Lastspitzen ab. Ein reiner Netzwechselrichter ohne Backup-Funktion schaltet bei Netzausfall dagegen ab, auch mitten am Tag.