Ein Lithiumspeicher ist kein Bleiakku, den man an zwei Klemmen hängt und vergisst. Sein Batteriemanagement, kurz BMS, kennt Zellspannungen, Temperaturen und Ladezustand. Es muss dem Wechselrichter laufend sagen, wie viel Strom er gerade laden oder entnehmen darf. Diese BMS-Kommunikation läuft über ein Datenkabel, meist CAN oder RS485. Fehlt sie oder spricht jede Seite eine andere Sprache, startet die Anlage nicht, lädt nur gedrosselt oder meldet einen Batteriefehler. Dieser Artikel erklärt, was zwischen Speicher und Wechselrichter ausgetauscht wird und welche Einstellungen Sie vor der Inbetriebnahme prüfen sollten.
Was über die Leitung geht
Der Wechselrichter fragt das BMS nicht nach der Uhrzeit. Er will wissen: Welche Ladespannung gilt? Wie hoch darf der Lade- und Entladestrom gerade sein? Wie voll ist die Batterie? Gibt es eine Warnung, etwa wegen Kälte? Das BMS schickt diese Werte im Sekundentakt. Bei niedrigen Zelltemperaturen setzt es den erlaubten Ladestrom herunter, und der Wechselrichter hält sich daran.
Ohne diese Daten müsste der Wechselrichter raten. Manche Geräte bieten dafür einen Betrieb mit festen Spannungsgrenzen an, wie man ihn von Bleibatterien kennt. Für Lithiumspeicher aus einer Freigabeliste ist das nicht vorgesehen. Dort steht ausdrücklich, über welche Schnittstelle die Kombination läuft.
CAN und RS485: zwei Leitungen, viele Sprachen
CAN und RS485 beschreiben zunächst nur, wie die Bits über das Kabel laufen. Beide arbeiten mit einem verdrillten Adernpaar und vertragen längere Strecken. Was die Bits bedeuten, legt erst das Protokoll fest, also welche Nachricht für Ladestrom steht und welche für Ladezustand.
Genau hier liegt die Falle. Viele Speicher haben beide Buchsen. Unsere Produktdaten nennen etwa beim Deye SE-F12 „CAN2.0, RS485“, bei Dyness „CAN/RS485“ und bei Pylontech „CANBUS/Modbus RTU“. Daraus folgt nicht, dass jeder Wechselrichter mit CAN-Buchse jeden dieser Speicher versteht. Zwei Geräte können dieselbe Leitung haben und trotzdem aneinander vorbeireden. Verbindlich ist allein die Freigabeliste des Wechselrichterherstellers. Wie man sie liest, erklärt der Artikel Welcher Speicher passt zu welchem Wechselrichter?.
BMS-Kommunikation bei den einzelnen Herstellern
Deye Niedervolt
Für die dreiphasigen Niedervolt-Hybride wie den Deye SUN-12K-SG05LP3-EU-SM2 nennt die Deye-Liste DY-LV48-0127 für die eigenen Speicher SE-G5.1 Pro-B, SE-F5 Pro, SE-F12 und SE-F16 (je Ausführung -C) dieselbe Einstellung: Kommunikation über CAN, Setup-Code 00. Dieser Code wird am Wechselrichter im Batteriemenü als Lithium-Modus eingestellt. Ein Händler, der die Liste ausgewertet hat, beschreibt 00 als das Pylontech-CAN-Protokoll. Die Max-Ausführungen von SE-F12 und SE-F16 stehen nicht auf der Liste.
SolarEdge Home Hub
Der SolarEdge SE5K-RWB48BFN4 spricht mit der Home Battery 48V über CAN. Hier entscheidet zusätzlich der Kabelsatz. Für den Home Hub ist der IAC-RBAT-5KCINV-01 vorgesehen. Der fast gleich benannte -02 gehört an die StorEdge-Wechselrichter SE…K-RWS. Andere Batterien wie BYD LVS oder LG Chem LV sind für den Home Hub nicht freigegeben.
Fronius GEN24 und Tauro
Fronius setzt auf Modbus RTU über RS485. Das gilt für die Batterie wie für den Zähler. Beim Fronius Smart Meter TS 65A-3 nennen unsere Daten eine Leitungslänge bis 300 Meter. Wichtig für die Verdrahtung: Am GEN24 und am Tauro kommen Primärzähler und Batterie an getrennte Modbus-Kanäle. Wer beide auf einen Kanal legt, sucht danach lange nach dem Fehler.
Huawei
Huawei-Speicher führen in unseren Daten „RS485 / FE / CAN“. Beim Zähler ist die Auswahl eng. Der Huawei Smart Power Sensor DTSU666-H wird bei den Reihen M1, M3 und MB0 an RS485-2 angeschlossen, Pin 7 und 9. Der äußerlich ähnliche DTSU666-FE ist für SUN2000-Wechselrichter nicht vorgesehen.
Haier und GoodWe
Der Haier E-Tower arbeitet mit seinem Batteriemodul HBHS-4.8KB1/LPP über CAN, ein bis sechs Module am Wechselrichter. Bei GoodWe kommt eine weitere Bedingung hinzu, die Firmware. Für den GW10K-ET-20 gilt: Lynx D G2 ab ARM 18 / DSP 06, BYD HVS und HVM ab ARM 11. Ein Gerät mit älterem Stand erkennt den Speicher unter Umständen nicht, obwohl Kabel und Einstellung stimmen.
Kabel, Abschluss, Länge
Die meisten Hersteller verwenden RJ45-Stecker und Netzwerkkabel. Das verleitet dazu, irgendein Patchkabel aus der Kiste zu nehmen. Prüfen Sie vorher die Pinbelegung im Handbuch. Nicht jeder Hersteller legt CAN und RS485 auf dieselben Adern.
Bei Batterietürmen mit mehreren Modulen läuft die Kommunikation oft in einer Kette von Modul zu Modul. Am Ende dieser Kette sitzt ein Abschlusswiderstand. Das Handbuch zur Deye-Hochvoltserie BOS-A schreibt ihn mit 120 Ohm an den Ausgangsport des letzten Packs vor. Dasselbe Handbuch begrenzt die Kommunikationsleitung zwischen Wechselrichter und Batterie auf 30 Meter. Steht der Speicher in der Garage und der Wechselrichter im Keller, ist das früh in der Planung zu klären.
Firmware: der unsichtbare Teil der Kompatibilität
Freigabelisten nennen nicht nur Geräte, sondern oft Mindeststände der Software. SMA verlangt für den Sunny Boy Smart Energy laut unseren Produktdaten Wechselrichter-Firmware ab 3.08.03.R, für BYD HVS und HVM zusätzlich BMU ab 3.23 und BMS ab 3.28. Solche Angaben gehören in die Inbetriebnahme-Checkliste. Ein Lager kann Geräte mit älterem Stand ausliefern, und ein Update vor Ort dauert länger, wenn man erst danach sucht.
Aus der Praxis: ein Lithium-Modus mit dem Wert 65535
Ein Kunde mit einem Deye-Niedervolt-Hybrid meldete uns, dass im Solarman-Portal der Parameter „Lithium mode“ auf 65535 sprang. Gültig ist laut Freigabeliste 00. Wir haben Handbücher, Freigabelisten und Registerlisten durchsucht und keine Herstellerangabe zu diesem Wert gefunden.
Eine Vermutung liegt nahe: 65535 ist der höchste Wert, den ein 16-Bit-Register darstellen kann. Solche Zahlen tauchen oft auf, wenn eine Software einen Wert nicht lesen konnte. Belegt ist das für diesen Parameter nicht. Unser Rat war deshalb einfach: am Display des Wechselrichters nachsehen. Steht dort 00 und im Portal 65535, liegt das Problem beim Auslesen über den Datenlogger und nicht an der Einstellung. Steht auch am Gerät ein falscher Wert, wird er auf 00 gesetzt und die Kabelbelegung geprüft.
Speicher mit passender Schnittstelle finden Sie unter Speichersysteme, die Freigaben je Wechselrichter auf der Seite Kompatibilität. Warum die Spannungsklasse vor der Schnittstelle kommt, steht im Artikel Hochvolt oder Niedervolt.
Häufige Fragen
Reicht es, wenn Speicher und Wechselrichter beide eine CAN-Buchse haben?
Nein. CAN beschreibt nur die Leitung. Ob beide Geräte dasselbe Protokoll sprechen, sagt allein die Freigabeliste des Wechselrichterherstellers.
Was passiert, wenn die Kommunikation ausfällt?
Der Wechselrichter kennt dann die erlaubten Ströme nicht mehr. Je nach Gerät meldet er einen Batteriefehler, lädt nicht weiter oder schaltet den Speicher ab. Eine Anlage sollte so nicht dauerhaft laufen.
Wo stelle ich das Protokoll ein?
Am Wechselrichter, meist im Batteriemenü. Bei Deye heißt die Einstellung Lithium-Modus, für die freigegebenen Deye-Speicher am SG05LP3 ist es der Code 00. Andere Hersteller erkennen den Speicher automatisch, wenn Kabel und Firmware stimmen.