Auf dem Dach sieht man die Module, im Keller den Speicher. Ob die Anlage aber pünktlich Strom ins Netz liefert, entscheidet sich oft am Zählerschrank. Dort trifft die Wechselstromseite der PV-Anlage auf die Hausinstallation und auf die Vorgaben des Netzbetreibers. Wer die Anlage plant, sollte dem Elektriker vorher sagen können, welcher Wechselrichter kommt, wie viel Strom er liefert und welche Schutzgeräte schon in der Stückliste stehen.
Was zwischen Wechselrichter und Zählerschrank liegt
Die AC-Seite beginnt am Ausgang des Wechselrichters. Von dort führt eine Leitung zum Zählerschrank oder zu einem Unterverteiler. Dazwischen sitzen meist ein Leitungsschutzschalter, ein Überspannungsableiter und, je nach Anlage, ein Fehlerstromschutzschalter. Bei Anlagen mit Notstrom kommt ein Umschalter dazu, der das Haus bei Netzausfall vom Netz trennt.
In unseren Angeboten stehen für diesen Abschnitt immer dieselben Positionen: ein Energiekabel YM-J 5×10 vom Schaltschrank zum Wechselrichter, ein Leitungsschutzschalter LS25 C und das Material, das der Netzbetreiber für die Steuerung der Anlage verlangt. Dazu kommt ein Netzumschalter 63 A 3P+N, wenn der Kunde Notstrom möchte. Ob 5×10 im Einzelfall der richtige Querschnitt ist, hängt von Leitungslänge, Verlegeart und Absicherung ab. Das legt der Elektriker vor Ort fest.
Welche AC-Box zu welchem Wechselrichter passt
Wer nicht jedes Schutzgerät einzeln setzen will, nimmt eine fertige AC-Box. KENO baut mehrere Varianten, die sich in Absicherung und Ausstattung unterscheiden. Die Angaben stammen aus den Produktdaten:
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SH-19 AC: Ableiter Typ 2, Leitungsschutzschalter B 10 A dreiphasig, kein FI, laut Hersteller bis etwa 5 kW
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SH-55 AC: Ableiter Typ 2, B 16 A dreiphasig, kein FI, bis etwa 8 kW
- SH-268 AC: Ableiter Typ 2, B 16 A dreiphasig, FI Typ A 40 A/300 mA, bis etwa 8 kW
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SH-285 AC: Ableiter Typ 2, B 20 A dreiphasig, FI Typ A 40 A/300 mA, bis etwa 10 kW
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SH-264 AC: Ableiter Typ 2, 16 A einphasig, FI Typ A 300 mA
Alle dreiphasigen Boxen sind laut KENO nach IEC 61439-1/-2 gebaut, haben Schutzart IP65 und dürfen auch außen hängen.
Warum nennt KENO für die 10-A-Box nur 5 kW? Rechnet man den Nennstrom eines Wechselrichters aus der Leistung, kommen bei 400 V dreiphasig und cos φ = 1 für 10 kW rund 14,4 A heraus, für 8 kW rund 11,5 A. Theoretisch trüge ein 10-A-Schalter knapp 7 kW. Der Abstand zu den 5 kW ist Reserve: Der höchste Ausgangsstrom im Datenblatt liegt über dem Nennstrom, und ein Schutzschalter soll nicht dauernd an seiner Grenze arbeiten. Halten Sie sich an die Leistungsangabe des Herstellers, nicht an die Rechnung.
Ein Deye SUN-10K-SG05LP3 mit 10 kW Nennleistung passt damit zur SH-285, nicht zur SH-55. Ein Huawei SUN2000-8K-MAP0 mit 8 kW passt zur SH-55 oder SH-268.
Einphasige Wechselrichter im Zählerschrank
Einphasig sieht die Rechnung anders aus. Ein Fronius Primo GEN24 5.0 Plus liefert 5 kW auf einer Phase. Bei 230 V sind das rund 21,7 A Nennstrom. Die einphasige SH-264 hat einen 16-A-Schalter, das entspricht etwa 3,7 kW. Für den Primo ist sie damit zu klein. Hier plant der Elektriker die Absicherung im Zählerschrank selbst.
Prüfen Sie bei einphasigen Geräten außerdem, ob Ihr Netzbetreiber eine Grenze für die Schieflast setzt, also für die Leistung, die auf einer einzelnen Phase eingespeist werden darf. Die Werte unterscheiden sich je Netzbetreiber. Fragen Sie vor der Bestellung nach.
Was der Netzbetreiber im Zählerschrank vorgibt
Der Zählerschrank gehört nicht allein dem Hausbesitzer. Der Netzbetreiber bestimmt, wie Zählerplatz, Hauptsicherung und Steuerung aussehen. In unseren österreichischen Angeboten ist deshalb eine Position immer an den Netzbetreiber gebunden: Für Netz OÖ planen wir ein Keystone-Modul bzw. SLTS ein, für Netz NÖ ein Finder-Relais. Andere Netzbetreiber verlangen andere Teile.
Ältere Zählerschränke erfüllen die aktuellen Vorgaben oft nicht mehr. Ob ein Umbau reicht oder ein neuer Schrank nötig ist, sieht man auf einem Foto meist schon vor dem Termin. Wir lassen uns deshalb vor jedem Elektroanschluss Fotos von Zählerschrank, Wechselrichterplatz und Kabelweg schicken. Der Richtwert für einen üblichen Umbau samt Anschluss von Wechselrichter und Speicher liegt bei vier Stunden.
Notstrom: der Umschalter sitzt im Zählerschrank
Bei Notstrom wird es eng im Schrank. Der Umschalter muss das Haus vom Netz trennen, bevor der Wechselrichter es aus dem Speicher versorgt. Bei Sigenergy übernimmt das ein eigenes Gateway. Für das einphasige Gateway HomePro SP nennt die Installationsanleitung ein dreiadriges Außenkabel (L, N, PE) mit 4 bis 6 mm², je nach Leistung, das der Installateur stellt. Andere Hersteller lösen das mit einem Backup-Controller oder einem externen Netzumschalter. Welche Lösung zu welchem Wechselrichter gehört, steht im Artikel Notstrom, Ersatzstrom, Inselbetrieb.
Planen Sie für den Umschalter Platz und Zeit ein. Er braucht eigene Leitungen zwischen Netzseite, Wechselrichter und Hausverteilung, und jede Ader muss vor dem ersten Einschalten geprüft sein.
Aus der Praxis: aus vier Stunden wurden vierzehn
Im September haben wir eine Anlage mit Notstrom angeschlossen. Am ersten Tag arbeitete ein Monteur sechs Stunden am Zählerschrank. Am zweiten Tag folgten drei Stunden Fehlersuche und zwei Abendstunden. Eine Woche später kamen zwei Kollegen für je anderthalb Stunden wieder, diesmal mit dem Netzumschalter 63 A. Zusammen waren es 14 Stunden statt der vier aus dem Richtwert, verteilt auf drei Termine.
Was wir daraus mitnehmen: Bei Anlagen mit Notstrom rechnen wir den Umschalter und einen zweiten Termin von Anfang an mit ein. Und wir sagen dem Kunden vorher, dass „nach Aufwand“ bei einem schwierigen Zählerschrank deutlich mehr als der Richtwert sein kann.
Häufige Fragen
Muss der Zählerschrank für eine PV-Anlage umgebaut werden?
Fast immer. Wechselrichter, Schutzgeräte und die Steuerung des Netzbetreibers brauchen Platz. Ob ein Umbau reicht oder ein neuer Schrank nötig ist, zeigen Fotos vor dem Termin.
Welche AC-Box passt zu einem 10-kW-Wechselrichter?
Unter den KENO-Boxen ist die SH-285 AC für etwa 10 kW ausgelegt. Sie hat einen 20-A-Leitungsschutzschalter und einen FI Typ A.
Darf ich einen einphasigen Wechselrichter an jede AC-Box anschließen?
Nein. Ein einphasiger 5-kW-Wechselrichter liefert rund 21,7 A, die einphasige SH-264 ist mit 16 A abgesichert. Die Absicherung muss zum Strom des Wechselrichters passen.