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Wallbox und PV-Überschussladen: was zusammenspielt

PV-Überschussladen klingt einfach: Das Auto lädt, wenn die Sonne mehr liefert, als das Haus braucht. Technisch muss dafür aber jemand messen, rechnen und die Wallbox laufend nachregeln. Bei manchen Herstellern übernimmt das der Wechselrichter, bei anderen eine eigene Steuereinheit, bei dritten ein Energiemanager. Welche Wallbox mit welcher Anlage zusammenspielt, hängt deshalb weniger am Stecker als an der Frage, wer die Regelung führt. Hier ordnen wir die Wallboxen aus unserem Sortiment danach.

Warum der Überschuss nie ganz von selbst ankommt

Eine Wallbox lädt mit festem Strom, solange ihr niemand etwas anderes sagt. Für Überschussladen braucht sie zwei Dinge: einen Messwert vom Netzanschlusspunkt und eine Vorgabe, wie viel Leistung gerade frei ist. Den Messwert liefert ein Zähler, wie im Artikel Smartmeter für Wechselrichter beschrieben. Die Vorgabe kommt vom Wechselrichter oder von einem Energiemanager.

Dazu kommt eine physikalische Grenze. Ladestationen nach IEC 61851 laden mit mindestens 6 Ampere. Einphasig sind das bei 230 Volt rund 1,4 Kilowatt, dreiphasig rund 4,1 Kilowatt. Liegt der Überschuss darunter, lädt eine starr dreiphasige Wallbox gar nicht oder zieht Netzstrom nach. Wallboxen, die selbst zwischen ein- und dreiphasigem Laden umschalten, nutzen auch kleine Überschüsse an trüben Tagen.

PV-Überschussladen mit Fronius Wattpilot

Der Fronius Wattpilot Home 11 J 2.0 und seine Geschwister Go und Flex regeln laut Fronius-Bedienungsanleitung mit den Wechselrichtern GEN24, Tauro, Verto, Symo Hybrid und den SnapINvertern. Ausdrücklich ausgenommen sind die Light-Versionen, im Sortiment etwa Symo 5.0-3-M light.

Drei Bedingungen nennt Fronius. Ein Fronius Smart Meter muss am Einspeisepunkt sitzen, und zwar als primärer Zähler am Wechselrichter. Die Solar API am Wechselrichter muss eingeschaltet sein. Wallbox und Wechselrichter müssen im selben Netzwerk hängen. Die Überschussregelung gilt außerdem nur für einen Wattpilot je Anlage. Wer zwei Fahrzeuge hat, regelt das zweite nicht mit.

Mit Wechselrichtern anderer Hersteller arbeitet der Wattpilot nur über den Fronius Smart Meter IP 5kA-3, den wir nicht führen. In diesem Fall darf laut Fronius kein weiterer Eigenverbrauchsregler parallel arbeiten, also weder eine Batterie noch ein geregelter Heizstab. Für Anlagen mit Speicher eines Fremdherstellers ist das ein Ausschlussgrund.

Huawei Smart Charger: Zähler ist Pflicht

Die Huawei Smart Charger AC mit 7,4 und 22 Kilowatt passen laut Huawei-Handbuch zu den Reihen SUN2000-L1, -LC0, -LB0, -M1, -M2 (8 bis 20 kW), -M5, -MB0 und -MAP0 sowie zu SUN5000-MAP0 und -MB0. Im Sortiment sind das SUN2000-8K und 12K-MAP0, SUN5000-8K-MAP0 sowie SUN2000-12K und 25K-MB0.

Ein Zähler ist Pflicht. Im Netz mit Smart Dongle steuert der DTSU666-FE ab Version V322 die Ladeleistung. Alternativ nennt Huawei den DTSU666-H am Wechselrichter über die virtuelle Zählerkopplung. Mit Smart Dongle ist höchstens eine Wallbox je System möglich. Wer zwei Ladepunkte braucht, kommt laut Huawei mit dem EMMA-A02 auf zwei. Die Wallbox verbindet sich nur über WLAN oder Ethernet, nicht über 4G, und das 22-Kilowatt-Gerät ist nur für TN- und TT-Netze vorgesehen.

Sigenergy: AC-Wallbox und DC-Laden

Die Sigen EV AC Charger mit 11 und 22 Kilowatt arbeiten mit SigenStor EC, Sigen Hybrid und Sigen PV Max. Die Verbindung läuft über Ethernet, direkt, über den Router oder über das Gateway. Das Gateway braucht es nur, wenn auch bei Netzausfall geladen werden soll. Laut Sigenergy müssen Lader und Wechselrichter auf aktueller Firmware sein, die mySigen App mindestens auf Version 1.9.4. Beim Sigen Hybrid mit SigenStor-Batterie verlangt das Laden aus dem Speicher eine Lizenz. An Wechselrichtern anderer Hersteller ist Überschussladen nur mit einem Sigen Power Sensor möglich.

Für die DC-Ladestationen von Sigenergy gelten engere Regeln: nur mit dem Sigen Energy Controller, und laut Handbuch mit mindestens einem SigenStor-Batteriesystem. Rückspeisen ins Haus (V2X) hängt vom Fahrzeug ab und soll per Update kommen.

Deye und go-e: zwei Wege ohne feste Liste

Die Deye-Wallboxen SUN-EVSE11K01 und 22K01 laufen mit einem Deye-Hybridwechselrichter im Funkbetrieb. Dafür kommt ein Smart Transmitter SUN-SMART-TX01 an den Zähleranschluss des Wechselrichters, je Transmitter ein Ladegerät. Das Handbuch schränkt ein, dass nicht jeder Deye-Hybridwechselrichter den Transmitter unterstützt. Eine Modellliste nennt Deye nicht, die Freigabe läuft über den Deye-Service. Ohne Hybridwechselrichter arbeitet die Deye Wallbox 11 kW nur über WLAN. Laut Datenblatt vom Mai 2026 ist auch das 11-Kilowatt-Gerät dreiphasig angeschlossen.

go-e geht den umgekehrten Weg. Die Wallboxen sprechen mit keinem Wechselrichter direkt. Den Überschuss misst der go-e Controller mit eigenen Stromwandlern am Netzanschluss. Laut seiner Anleitung arbeitet er mit allen PV-Wechselrichtern und AC-Speichern. Mit dem Controller schalten Gemini 2.0, Gemini flex 2.0 und PRO selbst zwischen ein- und dreiphasigem Laden um. Wer schon einen Energiemanager im Haus hat, steuert die go-e-Wallbox stattdessen über die offene Schnittstelle mit HTTP, MQTT oder Modbus TCP. Den Controller selbst führen wir nicht.

Aus der Praxis: 30 Wallboxen, 30 Antworten

Im September haben wir für alle 30 Wallboxen im Shop die Herstellerunterlagen durchgesehen und die Kompatibilität auf jeder Produktseite hinterlegt. Das Ergebnis war ernüchternd vielfältig. Fronius und Huawei nennen genaue Wechselrichterreihen. Sigenergy bindet die Wallbox an das eigene System. Deye verweist auf den Service, und go-e führt bewusst keine Wechselrichterliste, weil der Controller unabhängig misst. Beim SMA EV Charger fanden wir, dass Überschussladen nur mit dem Sunny Home Manager 2.0 geht und SMA das Gerät nicht mehr vertreibt. Sie steht deshalb nicht mehr im Shop.

Für die Planung heißt das: erst den Wechselrichter festlegen, dann die Wallbox wählen, dann den Zähler. Umgekehrt fehlt am Ende leicht der passende Zähler oder die Freigabe. Alle Ladestationen finden Sie in der Kollektion Wallboxen.

Häufige Fragen

Kann ich jede Wallbox an jeden Wechselrichter anschließen?

Laden kann jede Wallbox an jedem Hausanschluss. Für PV-Überschussladen braucht es aber eine Regelung, die der Hersteller vorsieht. Herstellerunabhängig funktioniert das mit einer Wallbox wie go-e und dem go-e Controller oder über einen Energiemanager.

Brauche ich für Überschussladen einen zusätzlichen Zähler?

Bei Fronius und Huawei ja, beide verlangen ihren Zähler am Einspeisepunkt. Bei Sigenergy übernimmt der Power Sensor diese Aufgabe, bei go-e der Controller mit eigenen Stromwandlern.

Lädt das Auto auch aus dem Hausspeicher?

Bei Sigenergy ja, beim Sigen Hybrid mit SigenStor-Batterie ist dafür eine Lizenz nötig. Für die übrigen Systeme haben wir dazu keine eindeutige Herstellerangabe. Das klären wir bei der Planung Ihrer Anlage.