Die Größe der PV-Anlage wird in Kilowatt Peak angegeben, und die erste Frage im Beratungsgespräch lautet fast immer: Wie viel brauche ich? Die ehrliche Antwort ist, dass der Stromverbrauch nur eine von drei Größen ist. Die Dachfläche setzt die Obergrenze. Der Eigenverbrauch entscheidet, wie viel vom erzeugten Strom im Haus bleibt. Wir zeigen die Rechnung mit Ertragsdaten aus PVGIS, dem Rechenwerkzeug der EU-Kommission, für einen Standort in Linz und einen Haushalt mit 5.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch.
Was ein Kilowatt Peak im Jahr erzeugt
Für Linz liefert PVGIS bei einem Süddach mit 35 Grad Neigung rund 1.140 Kilowattstunden je Kilowatt Peak und Jahr. Dabei sind 14 Prozent Systemverluste für Kabel, Wechselrichter und Verschmutzung schon abgezogen. In München liegt der Wert praktisch gleich, bei rund 1.137.
Die Ausrichtung verändert das Bild deutlich:
- Süd, 15 Grad Neigung: rund 1.073 kWh je kWp
- Ost oder West, 15 Grad: rund 936 beziehungsweise 949 kWh je kWp
- Ost oder West, 35 Grad: rund 884 beziehungsweise 904 kWh je kWp
- Nord, 35 Grad: rund 584 kWh je kWp
Ein flach geneigtes Ost-West-Dach bringt also etwa 17 Prozent weniger als das ideale Süddach. Ein steiles Norddach liegt bei etwa der Hälfte. Diese Zahlen stecken auch in unserem PV-Richtpreis-Konfigurator, der dieselben PVGIS-Profile verwendet.
Die Dachfläche setzt die Obergrenze
Ein aktuelles Modul wie das Gokin GK-3-54HGFDB-495M misst 1.800 mal 1.134 Millimeter, also gut 2 Quadratmeter. Für ein Kilowatt Peak braucht man damit etwa zwei Module und rund 4,1 Quadratmeter reine Modulfläche. Dazu kommen Abstände zu First, Traufe und Ortgang, Fugen zwischen den Modulen und Aussparungen für Kamin, Dachfenster oder Gauben.
Wer seine Dachfläche nur grob kennt, sollte deshalb mit einem Belegungsplan rechnen und nicht mit Quadratmetern. Auf einer Dachfläche von 8 mal 5 Metern bleiben nach Randabständen oft nicht 40 Quadratmeter nutzbar, sondern deutlich weniger. Wie viele Module tatsächlich passen, entscheidet das Raster aus Modulmaßen und Schienenlänge. Passende Module finden Sie unter Paneele.
Verbrauch und Eigenverbrauch: die Größe der PV-Anlage im Modell
Für die folgende Rechnung haben wir den Haushalt mit 5.000 Kilowattstunden in Stundenschritten durch ein Jahr geführt. Die PV-Erzeugung stammt aus PVGIS für Linz, Süddach mit 35 Grad. Der Verbrauch folgt einem vereinfachten Haushaltsprofil mit Morgen- und Abendspitze und etwas mehr Bedarf im Winter. Das ist ein Modell, kein Messwert. Für den Vergleich zwischen den Größen reicht es.
Ohne Speicher
Mit 4 kWp erzeugt die Anlage rund 4.560 Kilowattstunden. Davon nutzt der Haushalt 42 Prozent selbst. Die Autarkie, also der Anteil des Verbrauchs, der vom eigenen Dach kommt, liegt bei 38,5 Prozent.
Mit 10 kWp sind es rund 11.410 Kilowattstunden. Die Autarkie steigt aber nur auf 45 Prozent. Der Grund ist einfach: Nachts scheint keine Sonne, und mittags ist der Bedarf schon mit der kleinen Anlage gedeckt. Der Zuwachs geht fast vollständig ins Netz. Die Eigenverbrauchsquote fällt von 42 auf 20 Prozent.
Für einen Haushalt ohne Speicher heißt das: Ab etwa 6 kWp bringt jedes weitere Kilowatt Peak kaum noch Eigenverbrauch. Ob sich mehr lohnt, hängt dann allein an der Vergütung für den eingespeisten Strom.
Mit Speicher
Ein Speicher verschiebt den Mittagsüberschuss in den Abend. Im Modell haben wir 10 Kilowattstunden Kapazität mit 5 Kilowatt Lade- und Entladeleistung angesetzt. Die Autarkie steigt dann deutlich:
- 4 kWp mit Speicher: 68 Prozent
- 6 kWp mit Speicher: 78 Prozent
- 8 kWp mit Speicher: 83 Prozent
- 10 kWp mit Speicher: 86 Prozent
Hier lohnt die größere Anlage mehr, weil sie den Speicher auch an trüben Tagen voll bekommt. Der Sprung von 4 auf 6 kWp bringt gut neun Prozentpunkte, der von 8 auf 10 kWp nur noch drei. Das reale Ergebnis hängt stark davon ab, wann im Haus Strom gebraucht wird. Ein Haushalt mit Wärmepumpe oder Elektroauto hat ein anderes Profil als unser Modell. Welche Speicher zu welchem Wechselrichter passen, sehen Sie unter Speichersysteme.
Ein Ergebnis, das überrascht: Ost-West
Bei gleicher Leistung von 8 kWp erzeugt ein Ost-West-Dach mit 15 Grad im Modell rund 7.540 Kilowattstunden, das Süddach mit 35 Grad rund 9.130. Die Autarkie ohne Speicher ist trotzdem beim Ost-West-Dach etwas höher: 44,5 gegen 43,8 Prozent. Die Ost-West-Anlage verteilt ihre Erzeugung auf Morgen und Nachmittag, also näher an die Zeiten, in denen im Haus Strom gebraucht wird. Mit Speicher dreht sich das Verhältnis wieder um, dann liegt das Süddach vorn.
Ein Ost-West-Dach ist deshalb kein Grund, die Anlage kleiner zu planen. Oft ist es umgekehrt: Weil jede Dachseite weniger liefert, darf die Modulfläche größer sein.
Wechselrichter und Anlage passend dimensionieren
Steht die Modulleistung fest, folgt der Wechselrichter. Hersteller erlauben meist mehr PV-Leistung am Eingang als Wechselrichterleistung am Ausgang. Der Deye SUN-10K-SG05LP3-EU-SM2 verträgt laut Datenblatt bis 16 kWp, der Fronius Primo GEN24 5.0 Plus bis 7,5 kWp. Gerade bei Ost-West-Dächern ist eine solche Überbelegung sinnvoll, weil beide Dachseiten nie gleichzeitig ihre volle Leistung bringen. Das Angebot an Geräten finden Sie unter Wechselrichter.
Ob die Module dann auch elektrisch zum Wechselrichter passen, ist eine eigene Rechnung. Sie steht im Artikel Strings auslegen Schritt für Schritt.
Die Reihenfolge in der Planung
- Jahresverbrauch aus den letzten Stromrechnungen ablesen, geplante Wärmepumpe oder Elektroauto dazurechnen.
- Nutzbare Dachfläche mit Belegungsplan ermitteln, nicht mit Quadratmetern.
- Ausrichtung und Neigung festhalten und den Ertrag je kWp nachschlagen.
- Entscheiden, ob ein Speicher kommt. Ohne Speicher bringt eine Anlage über 6 kWp bei 5.000 Kilowattstunden kaum mehr Eigenverbrauch.
- Wechselrichter passend zur PV-Leistung wählen, dann die Strings rechnen.
Fertig zusammengestellte Anlagen mit abgestimmten Komponenten finden Sie unter Komplettanlagen.
Häufige Fragen
Wie viel kWp brauche ich für 5.000 Kilowattstunden Verbrauch?
Rechnerisch erzeugen in Linz knapp 4,4 kWp auf einem Süddach so viel Strom im Jahr. Ohne Speicher deckt eine solche Anlage aber nur rund 40 Prozent des Verbrauchs. Mit Speicher sind 6 bis 8 kWp ein guter Rahmen.
Lohnt sich ein Ost-West-Dach?
Ja. Es erzeugt etwa 17 Prozent weniger als ein Süddach, verteilt den Strom aber besser über den Tag. In unserem Modell war die Autarkie ohne Speicher sogar etwas höher als beim Süddach.
Soll ich die Anlage größer bauen als meinen Verbrauch?
Wenn das Dach es hergibt und ein Speicher, eine Wärmepumpe oder ein Elektroauto dazukommt, meist ja. Ohne solche Verbraucher geht der Zuwachs überwiegend ins Netz.